

|

Ökologisch bauen leben wohnen, 2 / 2000
Schwimm- und Badeteiche
Argumente für natürliche Teiche
Ein naturnaher Teich statt ein betonierter Swimming-Pool im Garten, warum nicht? Immer mehr denken über diese attraktive Alternative nach. Entsprechend der Nachfrage finden sich auch verschiedene Anbieter auf dem Markt.
Bei all den unterschiedlichen Bautypen muß der Bauherr sich in erster Linie darüber im klaren sein, daß mit der Flutung des Gewässers auch eine Vielzahl weiterer Bewohner den Teich besiedeln. Frösche, Libellen, Molche, Schnecken sie gehören alle zu einem funktionierenden Ökosystem und tragen wesentlich zu einem dauerhaften Gleichgewicht des Gewässers bei.
Die Größe des Teiches spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Sie hängt in erster Linie von den örtlichen Platzverhältnissen, von den Vorstellungen des Bauherrn und seinen finanziellen Möglichkeiten ab. Als Faustregel bei der Dimensionierung des Teiches gilt es allerdings das Verhältnis von Schwimm- bzw. Tiefwasserzone zur Vegetationszone einzuhalten. Es sollte bei jeweils 50 % liegen.
Kleine "Teich-Typologie"
Um die Teiche anhand ihrer Funktion einzuordnen, unterscheiden wir drei Teichtypen- den Sitzteich oder das begrünte Planschbecken (ab 10 m² Wasserfläche)
- den Badeteich (ab 30 m² Wasserfläche)
- den Schwimmteich (ab 100 m² Wasserfläche)
Damit er seinem Namen gerecht wird, sollte die Schwimmzone mindestens zwischen 8 und 10 m lang, und ca. 5m breit sein. Dieselbe Fläche wird dann nochmals als Vegetationszone benötigt, so daß sich eine Gesamtfläche von 100 m² ergibt.
Die Teichdichtung
Bei der Frage der Abdichtung eines Teiches gehen die Meinungen weit auseinander. je nach Lieferant und Produktvertreter werden die Vor- und Nachteile eines Materials entsprechend gewürdigt. Die beste Teichdichtung ist selbstverständlich eine natürliche. Nur die ist in den wenigsten Fällen vorhanden. Eine künstliche Tondichtung ist für die Anlage eines Schwimm- oder Badeteiches nicht geeignet. Ton im wassergesättigten Zustand bildet eine schmierige Masse. Bei jedem Schritt knetet der Ton sich durch die Zehen, das Wasser wird in kürzester Zeit milchig - trüb. Zudem können die Pflanzen auch bis zu 30 cm mächtige Tonschichten durchwurzeln. Die absterbenden Rhizomteile faulen aus, es bilden sich Hohlräume, durch die das Wasser entweichen kann.
|

|


Bild oben: im Flachwasser wird noch gepflanzt und im Tiefwasser ist schon Aktion. (Fotos: Janisch)




Oben: Blick in die Schwimmzone. Teichmauer und Treppe aus Natursteinen, gemauert auf eine 1,5 mm PE-Folie


Oben: Treppe, Sitzflüchen, Schubsicherungen mit Natursteinen - so läßt sich der Schwimmteich gliedern.
|








|

|
Die Abdichtung mit einer Teichfolie ist die günstigste Lösung. Die Folien sind flexibel einsetzbar, leicht zu verlegen und es lassen sich auch anspruchsvolle Formen relativ einfach abdichten. Bei der Wahl des Folienmaterials ist allerdings Vorsicht angesagt. PVC - Folien werden heute immer noch massenweise vertrieben. Trotz Rücknahmegarantie und Fischverträglichkeitssiegel ist "Weich-PVC" aus ökologischen Gesichtspunkten problematisch.
Ihr Vorteil - sie sind einfach vor Ort zu verkleben - ist heute kein Argument mehr.
Als Alternative stehen Kautschuk- oder Polyethylen (PE)-Folien mit einer Stärke von 1,5 mm zur Verfügung. Diese Produkte werden ab Werk auf die gewünschten Maße gefertigt und in allen Größen an die Baustelle geliefert. Beide Materialien sind in ihrem Herstellungsprozess relativ unbedenklich, sie enthalten keine Substanzen, die die Gewässerfauna schädigen können ,und sie sind auch in ferner Zukunft zu 100 % wiederverwertbar.
Andere Methoden wie Beton-, GfK- oder Bitumendichtungen sind im Allgemeinen nicht bezahlbar.
Die Teichgestaltung
Der Bade- bzw. Schwimmteich wird bis zu 2 m tief ausgehoben. Der Teichboden erhält ein Mindestgefälle von 5 %. Bereits beim Erdaushub werden die Teichwände so steil wie möglich angelegt. Bei einem bindig - lehmigen - Untergrund können die Wände senkrecht abfallend gestaltet werden. Die Gefahr des Abrutschen der Steilwand besteht nur während der Bauphase. Ist der Teich gefüllt, sorgt allein der Wasserdruck für einen Halt der Wände. Die Folie wird durch den Wasserdruck an die Teichwand gepresst. Falten und Unebenheiten sind unter Wasser kaum mehr auszumachen.
Wen der Anblick der Folie stört, kann die Teichwände komplett mit Natursteinen verkleiden. Mt einer entsprechenden Bautenschutzmatte als Unterlage und dem richtigen Betongemisch kann auf die 1,5 mm starke PE-Folie problemlos aufgemauert werden.
Tonnenschwere Unterwassermauern, Treppen, abgemauerte Nichtschwimmerzonen, Sitzflächen unter Wasser, Schubsicherungen - mit der Natursteingestaltung sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Auf scharfkantiges, schiefriges Gestein sollte dabei verzichtet werden. Es sitzt sich auch unter Wasser angenehmer auf abgerundetem Material. Diese findet sich als verwitterte Feldsteine, als Fluß oder Geschiebegeröll oder als behauene Bruchsteine von Gebäudeabbrüchen. Die Folie am Teichboden wird mit Vlies oder mit Betonplatten abgedeckt. In den Flachwasserbereichen bietet ein nährstoffreiches Substrat den Pflanzen eine genügende Wachstumsgrundlage. Wichtig ist, daß keine Nährstoffe ins Wasser ausgewaschen werden. Die Pflanzsubstrate sind daher immer mit einer dicken Kiesdecke abzudecken.
Die Teichtechnik
Laub, Pflanzenreste, Algen, abgestorbene Insekten alles sammelt sich im Laufe der Zeit als ein feiner Mulm auf dem Teichgrund. Dieser Mulm ist nicht zwingend schädlich für den Biotop Teich, er ist eher lästig für den Badenden. Mit einem einfachen Laubnetz im Herbst aufgespannt, läßt sich ein Großteil der Blätter und somit des Mulms fernhalten.
Komfortablere Lösungen lassen sich mit einer entsprechenden Pumpentechnik erstellen. Das Wasser wird dabei an der tiefsten Stelle angesaugt und über einen bewachsenen Filter in dem Teich zurückgeleitet. Auf dem Bodenfilter (Stichwort Pflanzenkläranlage) sedimentieren die Feinstoffe ab. Das Wasser durchsickert den Bodenkörper und wird dadurch zusätzlich gereinigt. Diese Kreislaufführung des Wassers hat sich bewährt. Mulm, feine Schwebstoffe und gelöste Nährstoffe werden zum Großteil entfernen.
Durch eine Teilung des Ansaugstromes ist es ebenso möglich, an der Oberfläche eine Strömung zu erzeugen. Dadurch wird alles was sich auf der Teichoberfläche angesammelt hat, langsam an einen Punkt gesaugt. Aufgefangen in einem Behälter kann das Material regelmäßig entfernt werden.
Bei aller Freude an der Technik in erster Linie handelt es sich um ein natürliches Gewässer. Mit einfachen Mitteln und ohne jegliche Zusätze läßt sich daher der Teich über lange Zeiträume zum Schwimmen und Baden nutzen. Und wem die Lust daran vergangen ist, der überläßt das Gewässer einfach der Natur.
Jörg Janisch Gambach

|

|