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Lippische Landes-Zeitung, Nr.258, Montag, 6.November 2000
Klare Verhältnisse in Nösingfeld Kleines Extertaler Dorf säubert Abwasser per Pflanzenkläranlage
Extertal-Nösingfeld (te). Was aus Nösingfeld kommt, soll auch dort bleiben. Ganz besonders gilt das für das Wasser. Deshalb haben die 19 Haushalte des kleinen Extertaler Dorfes jetzt eine Pflanzenkläranlage in Betrieb genommen.
"Wir betreiben in Lippe die größte private Anlage dieser Art sagt Friedrich-Wilhelm Requardt. Er ist erster Vorsitzender der "Abwasser Interessengemeinschaft Nösingfeld" und stolz auf das Gemeinschaftswerk, das nach mehr als zweijähriger Arbeit entstanden ist. Das Abwasser aus Nösingfeld wird in zwei Dreikammer-Kläranlagen gesammelt: Eine für den unteren Teil des Dorfes entlang der Nösingfelder Straße, eine für den oberen. Von den Kammer- Systemen wird es dann in zwei Schilfbeete geleitet, die die biologische Klärstufe darstellen. Jedes ist 190 Quadratmeter groß. Im Kies- und Sandbett siedeln sich Mikroorganismen an, die das Abwasser reinigen. Hinterher fließt es in den Nösingfelder Bach. Die Schilfwurzeln dienen vor allem dazu, möglichst viel Sauerstoff in die Bodenschichten zu leiten, damit die Bakterien gute Arbeit leisten. Nach unten ist das Beet mit einer Folie abgedichtet. Die Anlage reicht für 120 Einwohner aus.
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Schilf im Wind: Karl-Heinz Sievert, Carsten Thomas, Hans Hoppenberg, Friedrich-Wilhelm Requardt, Christian Schulz und Hubertus Fricke begutachten die Pflanzenkläranlage in Nösingfeld
FOTO: ENGELHARDT
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Abwasserpreis von 2,50 Mark
"Sie riecht nicht, weil das Abwasser gar nicht an die Oberfläche gelangt, sondern im Inneren des Beetes transportiert wird", erläutert Christian Schulz vom Ingenieurbüro Janisch und Schulz, das die Nösingfelder bei ihrem Vorhaben begleitet hat. Die Idee reifte bei den Bürgern, als Ende 1997 über eine kilometerlange und teure Druckentwässerung für Nösingfeld diskutiert wurde. Requardt wusste von ähnlichen Modellen aus Niedersachsen und Carsten Thomas, heute zweiter Vorsitzender, hatte sich auch schon mit dem Thema beschäftigt. Sie fanden Akzeptanz bei den Nösingfeldern, wenn auch zahlreiche kritische Fragen beantwortet werden mussten. Alle 191 Haushalte des Ortes entsandten einen Vertreter in den Verein und auch die Zusammenarbeit mit den Behörden habe reibungslos geklappt, sagt Requardt.
"Wir hatten verschiedene Beweggründe. Da sind erst einmal die Kosten. Wir liegen jetzt bei etwa einem Drittel von dem, was eine Druckentwässerung gekostet hätte. Außerdem standen wir auf dem Standpunkt, dass das Wasser dort gesäubert werden muss, wo es auch verdreckt wurde." Denn der große Wasserverbrauch insgesamt senkt unseren Grundwasserspiegel. Und schließlich haben wir etwas für die Dorfgemeinschaft getan. Sie ist durch die gemeinsame Aufgabe gewachsen". "Nachahmenswert", befindet Bürgermeister Hans Hoppenberg, wenn er auch bezweifelt, dass es im Extertal noch einmal so gute Bedingungen gibt. Schließlich müssen die Schilfbeete nur häusliche Abwässer verarbeiten. Er verwies darauf, dass eine Druckleitung 600 000 Mark gekostet hätte, da von hätten die Anlieger 250 000 Mark bezahlen müssen. - Sie haben auch etwas für ihre Geldbeutel getan. Carsten Thomas: Jeder Haushalt hat 7500 Mark eingezahlt, das wäre auch der Preis für die Druckentwässerung gewesen. Im ersten Jahr werden wir eine Gebühr von 2,50 Mark pro Kubikmeter Abwasser nehmen, um Rücklagen zu schaffen. Ich gehe davon aus, dass sie in den Folgejahren niedriger sein wird. Vor, allem, weil die Pflanzenkläranlage günstig zu unterhalten ist. Alle drei Jahre muss das Schilf gemäht werden, mehr fällt kaum an.

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