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Rheinische Zeitung -NR. 154, 7. Juli 1999
HUNSRÜCK
Pflanzen klären die Abwässer
Hans-Werner Klein wohnt außerhalb, etwa auf halber Strecke zwischen Gödenroth und Hollnich. Das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen, der Kleinberger Hof, gehört zu Gödenroth und besteht aus zwei Grundstücken mit Wohneinheiten, in denen insgesamt 11 Personen leben. Seit kurzem verfügt man über eine eigene Pflanzenkläranlage.
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GÖDENROTH. Die Grundstücke, das zweite bewohnt Georg Schimmel, waren nicht an die Ortskanalisation angeschlossen. Die Hausfäkalien wurden bisher über eine Güllegrube entsorgt, deren Inhalt regelmäßig abgefahren wurde. Hans-Werner Klein, der im Obergeschoß seines Wohnhauses sein Steuerberaterbüro eingerichtet hat, wollte diesem Zustand bereits vor sieben Jahren ein Ende bereiten:
"Ich habe mir seinerzeit Info-Material über Pflanzenkläranlagen besorgt, weil mir eine solche Lösung für unseren Bereich ökologisch sinnvoll erschien. Öffentliche Gewässer würden nicht belastet und wir hätten einen - wenn auch kleinen - Beitrag zur Hochwasser-Rückhaltung leisten können", so Klein.
Bei der Kreisverwaltung riet man ihm damals allerdings von einer solchen Lösung ab, vor allem mit Hinweis auf die Auflagen bezüglich der Reinheit des Wassers. Nachdem er seinen Plan daraufhin zunächst verworfen hatte, kam 1997 die Verbandsgemeinde Kastellaun auf ihn zu mit der Aufforderung, den Kleinberger Hof an die öffentliche Kläranlage anschließen zu lassen.
Kostenpunkt: 52.000 Mark. Bei Selbstverlegung der Rohre hätten sich die Kosten auf etwa die Hälfte reduziert. Angesichts dieser Summe griff Hans-Werner Klein seine Idee von der Pflanzenkläranlage wieder auf, trug sie der Verwaltung in Kastellaun vor - und zahlte am Ende knapp die Hälfte der 52.000 Mark. Bei der VG Kastellaun reagierte man positiv, worauf das Projekt in die Tat umgesetzt wurde. Die Firma Janisch und Schulz bei Gießen, bekam den Zuschlag für die Ausführung.
Nach sorgfältiger Planung und nachdem die Witterung mitspielte, wurde im Mai '99 mit den Baumaßnahmen begonnen. Eine Dreikammer-Setzgrube mit einem Nutzvolumen von sechs Kubikmetern wurde zur mechanischen Vorreinigung des Abwassers eingerichtet. Aus der dritten Kammer gibt's einen Überlauf. Über einen Schacht mit Kippgefäß wird eine schwallartige Beschickung der Anlage erreicht, wodurch die Anreicherung der Stoffe mit Sauerstoff optimiert wird.
Das Abwasser gelangt in eine 96 m2 umfassende Pflanzenkläranlage, die horizontal vom Abwasser durchströmt wird. Das mechanisch-biologisch gereinigte Abwasser wird dann durch einen Aufstauschacht mittels einer Freigefällsleitung in eine 20 m2 umfassende Versickerungsmulde geleitet. Da das Gelände entlang der gesamten Abwasserleitung ein natürliches Gefälle aufweist, kann die Anlage komplett ohne Fremdenergie betrieben werden. Sie liegt nicht im Hochwasser- oder Grundwasserbereich, Niederschlagswasser der Hof- und Dachflächen gelangt nicht in die Anlage, weil es in einem Regenwassertank gesammelt wird. Somit verfügt der Kleinberger Hof über ein optimal auf die spezifischen Gegebenheiten vor Ort abgestimmtes Entsorgungssystem. Dieser Meinung ist auch der Werkleiter der Abwasserwerke der Verbandsgemeinde Kastellaun. Hermann-Josef Castor erklärte auf Anfrage, dass mehr als 99 Prozent aller Haushalte der VG an Kläranlagen angeschlossen seien. Für die restlichen - meist Aussiedlerhöfe - müsse man stets in Abstimmung mit den Eigentümern kostengünstige Lösungen erarbeiten. Die Lösung am Kleinberger Hof macht schon Schule. Auch am Blümlingshof, bei Völkenroth entsteht zur Zeit eine Pflanzenkläranlage. Thomas Torkler.

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