Der Gemeinderat, 1 / 2008


Pflanzen reinigen das Wasser

Immer mehr Gemeinden wechseln mit Gewinn vom Chlorbassin zum Naturbad. Die Anlagen lassen sich abwechslungsreich gestalten und erweisen sich als günstig im Betrieb.

Naturbad in Hohenfels: Badespaß braucht kein rechteckiges und gekacheltes Becken.Wasser in dem klassisch hell- blau gekachelten Becken eines Freibades suggeriert Frische und Sauberkeit. Über den gesundheitlichen Aspekt der leichten Chlornote, die über das Bassin weht, denkt kaum jemand nach. Hingegen besteht der Untergrund eines Naturbades nicht aus himmelfarbener Sanitärkeramik, sondern aus Kies über einer starken Folie. Und auf Chlor wird gänzlich verzichtet.
Rechtlich sind Naturbäder wie kommunale Badeanstalten anzusehen. Sie müssen so beschaffen sein, dass eine Infektion mit Krankheitserregern ausgeschlossen ist. Bei der Planung eines Naturbades ist daher auch immer das zuständige Gesundheitsamt beteiligt. Das Einhalten der behördlichen Vorgaben ist bei fachgerechter Planung keine Hürde. Das Wasser im professionell angelegten Naturbad ist so klar und rein wie ein sauberer Fluss. Keime und Schmutz werden in mechanischen und biologischen Reinigungsstufen entfernt, und das ganz ohne Chemie. Der Betreiber kann die Keimelimination leicht während der Badesaison durch 14-tägige Wasseranalysen nachweisen.

Bürger engagieren sich

Bereits bei der Planung sollte auf eine optimale Wasseraufbereitung Wert gelegt werden. Erst durch sie entstehen hygienische Bedingungen. Und sie sind die Voraussetzung zur Akzeptanz für das Naturbad.
Grundlage der Aufbereitung ist eine gute Wasserhydraulik. Durch sie wird oberflächlicher Schmutz schnell abgezogen und in einem Laubfang oder Skimmer zurückgehalten. Dann durchströmt das Wasser einen bepflanzten Bodenfilter. Er reinigt das Wasser biologisch und physikalisch und entlässt es gesäubert in den Badebereich zurück. Bei vorhandenem Gefälle kann dieser Rückfluss beispielsweise eine Rutschbahn bewässern. Viele Gemeinden wissen inzwischen den wartungsarmen und naturnahen Badespaß zu schätzen und lassen ihre öden oder sanierungsbedürftigen Freibäder zu Schwimmteichen für große und kleine Badegäste umbauen. Die Gemeinde Hohenfels (Baden-Württemberg) beispielsweise musste das Schwimmbad im Ortsteil Kalkofen aus finanziellen Gründen schließen. Das wollten die Bürger nicht hinnehmen. Sie gründeten einen Verein, krempelten die Ärmel hoch und legten los, ihr Ziel war der Umbau des maroden Freibades in ein Naturbad unter einem möglichst großen Anteil an Eigenleistung.
Drei Planungsbüros wurden eingeladen und gaben ihre Vorschläge ab. Die Mitglieder des Naturbadvereins Hohenfels entschieden sich für den Planer, bei dem am meisten Eigenleistung möglich war. Die Kosten wurden auf 220000 Euro geschätzt."90000 Euro sollten Material und Planung kosten, in Eigenleistung sollten 130000 Euro erbracht werden", so Adolf Hahn, der Erste Vorsitzende des Vereins. Der ehrgeizige Plan ist aufgegangen. in über 6800 Stunden Eigenarbeit ist ein naturnahes Bad mit Holzbrücke, Wasserbob und Sprungfelsen entstanden. Die Wasserqualität wird regelmäßig von einem privaten Untersuchungsinstitut kontrolliert. "Zwei Pumpen, das ist alles, was wir an Technik haben", so Hahn. Den Rest erledigen die Pflanzen - und die Sonne.

Modern statt marode
Naturbad Hirzenhain: Der Sprungfels - hier der Bau - ist die Attraktion im Tiefbecken.
Die Gemeinde Hirzenhain (Hessen) beschloss 2006, ihr altes Freibad in ein modernes Naturerlebnisbad umzubauen. 2007 wurde mit dem Bau der Anlage begonnen. Als Attraktion im Bereich des Nichtschwimmerbeckens ist ein Wasserbob - eine besondere Art von Wasserrutsche geplant. lm Tiefbecken soll ein Sprungfelsen mit einer Höhe von drei Meter entstehen. Die Vegetation am Wasserrand verleiht dem Bad zudem den Charakter eines Wald- und Naturerlebnisbades.
Für den Umbau sind rund 800000 Euro veranschlagt - halb so viel wie eine konventionelle Sanierung des Waldschwimmbades gekostet hätte. Die Gemeinde und das Land Hessen fördern das Projekt mit insgesamt 500000 Euro. Der Fehlbetrag wird in erster Linie über Eigenleistung des Fördervereins Hirzenhainer Waldschwimmbad ausgeglichen. Das Bad soll zur Saison 2008 eröffnet werden.

Christian Schulz
Der Autor Christian Schulz ist Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft Janisch & Schulz in Münzenberg-Gambach