Radio Megawelle - Journal, Teneriffa 09 / 2006


Natürlich alles klar
Pflanzenkläranlagen – die ökologische Alternative


Der ökonomische Umgang mit Wasser zählt zu den großen Aufgaben unserer Zeit. Hierbei kommt der zuverlässigen Reinigung des Abwassers und seine Rückführung in die natürlichen Kreisläufe immer mehr Bedeutung zu. In den dicht besiedelten Zentren der Industrienationen entstanden für die Abwasserreinigung große, zentrale Klärwerke. Im ländlichen Raum stößt dieses Entsorgungskonzept infolge des erforderlichen riesigen Kanalnetzes aber an die Grenzen der ökonomischen Vernunft. Damit Wasser nicht zum Abfall wird, sind neue dezentrale Lösungsansätze gefragt. Hier bieten sich naturnahe, dezentrale Abwasser-Reinigungssysteme an, die individuell auf Standort und Anforderung zugeschnitten werden können. Anstelle kostenintensiver Abwasserableitung über weite Strecken, stellen solche Anlagen eine echte Alternative dar. Anstatt das Problem zu transportieren wird es am Punkt seiner Entstehung behandelt. Die Vorteile sind niedrige Investitionskosten, geringe Energiekosten und einfache Wartungsarbeiten.

Wie funktioniert eine Pflanzenkläranlage?
Pflanzenkläranlagen klären so gut wie jede Art verunreinigten Wassers. Die Anlagen werden individuell den Rahmenbedingungen angepaßt. Im Prinzip besteht so eine Anlage aus mehreren Stufen, deren wichtigste ein spezielles Schilfbeet ist. In der ersten Stufe, der Vorklärung, werden dem Abwasser die Schweb- und Feststoffe entzogen. Dazu eignen sich klassische Mehrkammergruben oder andere Filter- und Vererdungssysteme. Der abgesetzte Schlamm wird ab und zu entnommen und entsorgt. Für kleine Anlagen, etwa für eine Familie, eignen sich auch sog. "Rottesäcke". Das Rohabwasser wird in einen einfach zu montierenden Filtersack geleitet. Grobstoffe werden darin abgefangen. Der noch im Abwasser enthaltene Feinschlamm wird vor der Hauptstufe in einem "Auflandungsbeet" zurückgehalten und kompostiert. Das in den Säcken verbleibende Material entwässert und kompostiert direkt darin. Durch regelmäßige Zugabe von Rindenmulch wird der Prozeß gefördert, ähnlich wie in einer Komposttoilette. Der volle Sack ruht noch einige Zeit in dem Behälter. Er kann später auf den Kompost oder einen Misthaufen entleert und nach einer Nachrottezeit im Landbau verwendet werden.


Nach der Vorklärung
Das aus derVorklärung ablaufende schwebstoffreie Abwasser wird nun in Stufe zwei, das Schilfbeet, geleitet, und zwar in Intervallen, entweder über Tauchpumpen oder Kippheber. Je nach Anlagentyp durchströmt das Abwasser den Boden in horizontaler oder vertikaler Fließrichtung. Eine robuste Dichtungsbahn aus recycelbarem PE-Material sorgt für eine sichere Abdichtung des Beetes gegen den Untergrund. Das Beet besteht aus mehreren Schichten Sand aufeinander abgestimmter Körnungen und wird dann vorwiegend mit Schilf bepflanzt. Schilf bildet schon nach kurzer Zeit einen dichten Bestand. Durch ihr Luftleitsystem transportiert die Pflanze Sauerstoff in den Boden hin- ein. Das üppige Wurzelwerk durchdringt im Laufe der Jahre den Bodenfilter und hält ihn auf Dauer durchlässig. Sobald Abwasser die Anlage durchströmt, bildet sich auf deren Oberfläche ein biologischer Rasen. Er ist der Nährboden für die sich rasch ansiedelnden Mikroorganismen. Kohlenstoff und Stickstoff in der Schmutzfracht dienen den Mikroben als Nährstoffe, die sie abbauen durch aerobe und anaerobe Prozesse im Boden.

Verschiedene Bauformen
Zu unterscheiden sind dabei Horizontal- und Vertikalfilter sowie Kombinationen aus beiden Verfahren. Horizontal durchströmte Pflanzenkläranlagen eignen sich für bis zu 50 Einwohner oder zur Vorreinigung stark verschmutzter Produktionsabwässer. Horizontalanlagen arbeiten in der Regel ohne Pumpen, da sie natürliches Gefälle im Gelände ausnutzen. Die kompakten, vertikal durchströmten Systeme eignen sich hingegen eher für große Anschlußwerte im kommunalen und gewerblichen Bereich. Vertikalfilter werden über mechanische Heber oder über Pumpen beschickt. Beide Systeme haben einen abgestuften Filterkörper. Die Körnungen der einzelnen Substratschichten sind hierbei fein aufeinander abgestimmt.

Das Ergebnis: Nutzwasser
Das so gereinigte Wasser ist klar und geruchlos und kann problemlos versickert werden. Hier auf den Kanaren wird das gereinigte Abwasser über eine schwimmergesteuerte Tauchpumpe automatisch in die Bewässerung geleitet oder in Speicherbecken wie Zisternen aufgefangen. Der Wasserkreislauf wird geschlossen - aus Abwasser ist Nutzwasser geworden. Die warmen Umgebungstemperaturen auf den Kanaren beschleunigen die chemischen und mikrobiologischen Abbauprozesse. An dieser Stelle lohnt es sich, Altbundeskanzler Helmut Kohl zu zitieren, der seinerzeit einmal sagte: "Wichtig ist, was hinten rauskommt."

Wo lohnt sich eine Pflanzenkläranlage?
Überall dort, wo ein Anschluß an die öffentliche Kanalisation unwirtschaftlich ist, kommt der Einsatz einer Pflanzenkläranlage in Betracht. Sie eignen sich für eine dauerhafte und zuverlässige Abwasserreinigung für privat oder gewerblich genutzte Anwesen, wie z.B. Gewerbebetriebe, Gaststätten, Hotelanlagen, Sport- und Golfplätze, Ferienhäuser, Streusiedlungen, Wochenendhäuser und Gehöfte in Einzellage wie z.B. Fincas etc. etc..

"All inclusive" oder mit Eigenleistung?
Ansässige Firmen (s.u.) arbeiten meist als Generalauftragnehmer, d.h. es kommt von der Planungsleistung bis zur Fertigstellung alles aus einer Hand. Sie bieten Klärsysteme aber auch Selbstbaupakete an, sowohl für den privaten als auch für den gewerblichen Einsatzbereich. Die Pakete sind so geschnürt, daß der Kunde durch Eigenleistung einen erheblichen Teil der Investitionskosten einspart und dennoch die volle Gewährleistung auf die Funktion der Anlage erhält. Das beinhaltet die Baubetreuung und Wartung durch Fachleute, individuelle Beratung und Projektierung, und andererseits hohe Kostenersparnis durch Eigenleistung. Werden die Abwassernormen erfüllt? Die deutsche Norm gibt für Kläranlagen der Größenordnung bis 1.000 Einwohner Mindestanforderungen für den chemischen (CSB) und biologischen (BSB) Sauerstoffbedarf vor. Fachmännisch erstellte Pflanzenkläranlagen unterschreiten die behördlichen Anforderungen für diese Parameter erheblich. Sie erreichen in der Regel ganzjährig Werte, wie sie sonst für Kläranlagen der Größenordnung bis 100.000 Einwohner gefordert werden. Die einfache Technik und die Regenerationskraft der Natur führen außerdem zu einer sehr hohen Lebensdauer der Anlagen.

Sanierung von Altanlagen
In vielen sog. "Urbanisationen" gibt es alte, teilweise noch aus den 70er-jahren stammende Kläranlagen. Heute haben diese Kläranlagen die Grenzen ihrer Reinigungskraft erreicht. Auch das technische Inventar ist oft hoffnungslos veraltet und die Metallteile vom Rost zerfressen. Diese Anlagen verbreiten in ihrer Umgebung einen üblen "fäkalen Geruch". Das kommt hier auf den Inseln nicht gerade selten vor. Es entstehen aufgrund der Fehlfunktion ständig unnötige Kosten, wie Klärwasser abfahren, Reparaturen usw. Hier bietet sich die Installation einer Pflanzenkläranlage mit entsprechender Vorklärung an. Hierbei können oft noch alte Kläranlagenteile genutzt werden. Oft kommt es auch zur Kombination von technischen und naturnahen Klärverfahren.

Klärschlammbehandlung
Oft stoßen große Kläranlagen an die Grenze ihrer Kapazität. Man weiß nicht wohin mit den bei der Abwasserreinigung anfallenden Klärschlämmen. Hier bietet sich das Verfahren der Klärschlammvererdung an: Die Schlämme werden in schilfbepflanzte Vererdungsbeete geleitet. Dort entwässert der Schlamm über Versickerung und Verdunstung. Der wichtigste Mitarbeiter bei diesem Verfahren ist die Schilfpflanze (Phragmites australis). Sie hat die Fähigkeit, bei ansteigender Schlammschicht ihr weit verzweigtes Wurzelsystem durch immer höhere Substratschichten auszubreiten. Im Laufe der Jahre entsteht ein feinkrümeliges humusartiges Substrat und das Volumen des problematischen Stoffes Klärschlamm ist bis zu 90 Prozent reduziert. Dieses Substrat kann gartenbaulich oder landwirtschaftlich als Dünger genutzt werden. Das Verfahren eignet sich'" für Kläranlagen jeder Größe. Fast in jedem Klärwerk sind bereits alte Schlammtrockenbeete vorhanden, die sich mit geringem finanziellen Aufwand zu Vererdungsbeeten. umrüsten lassen können.

Schwimmteiche und Naturbäder
Klares, weiches Wasser, kein Chlor, geringe Wartung - das sind die überzeugenden Eigenschaften eines Schwimmteiches. Für viele eine attraktive Alternative zum Pool, denn Schwimmteiche bieten maximale Badefreuden bei einem vollständigen Verzicht auf teure Chemikalien und aufwendige Pflegearbeiten. Durch die individuelle Planung und Gestaltung ist der Schwimmteich ein wertvolles Biotop mit beeindruckender Fauna und Flora. 70 % der Wasserfläche stehen als reine Schwimmzone zur Verfügung. Sie ist eingerahmt von einem vielfältigen Vegetations- und Reinigungsbereich (30 %). Die Teichwände der Schwimmzone fallen steil ab auf Tiefen bis 2,50 m. Durch diese Konstruktion ist ein gefahrloses Springen und Eintauchen möglich. Sprungfelsen, Kaskaden, Wasserhöhlen oder feste Abtrennungen von Kinder- und Schwimmbereichen werden individuell in das Gesamtkonzept eingearbeitet. Die Regenerationskraft einer artenreichen Fauna und Flora, unterstützt von einem minimalen Einsatz an Technik, hält das Gewässer im Gleichgewicht.

Referenzanlagen
Ein Pensions- und Gastronomiebetrieb in 1.000 Meter Höhe auf Teneriffa reinigt sein Abwasser mit einer Pflanzenkläranlage. Die Ausführung erfolgte mit örtlichen Bauunternehmen, Planung und Bauleitung wurden von ECOSIS durchgeführt. Das gereinigte Abwasser wird in einem Speicherbecken aufgefangen und zur Bewässerung der Außenanlagen und zur Goldfischzucht verwendet. Weitere Anlagen arbeiten in EI Medano und auf La Palma. Außerhalb der Kanaren, speziell in Deutschland, gibt es schon hunderte solcher Anlagen. In China hat man einen stinkenden Abwasserkanal in eine frische grüne Pflanzenkläranlage umgebaut, wie die beiden Photos (interner Link: International_China) zeigen.

CD und Theo Mühldorfer

Das Ingenieurbüro "J&S ECOSIS" im Süden Teneriffas hat Projekte in Deutschland, auf den Kanaren, in Paraguay, Chile usw. geplant und gebaut.
Weitere Auskünfte erhalten Sie unter:
Tel/Fax: 922 171046, Mobil: 617000054


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www.js-ecosis.com
www.pflanzenklaeranlagen.de



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