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Bönnigheimer Zeitung 25.08.2006
HOHENFELSER BAUEN SICH IHR EIGENES NATURBAD
Viel Arbeit nach der Pleite
Einrichtung wurde der Gemeinde zu teuer - Verein springt ein
Die Gemeinde Hohenfels musste das Schwimmbad im Ortsteil Kalkofen aus finanziellen Gründen schließen. Das wollten die Bürger nicht hinnehmen. Sie gründeten einen Verein, krempelten die Ärmel hoch und bauten ihr eigenes Naturbad. Im diesem Sommer konnte es öffnen.
Viele Menschen wissen die Dinge erst zu schätzen, wenn sie sie nicht mehr haben. So erging es auch den Bürgern von Hohenfels im Kreis Konstanz. Fünf Ortsteile zählen zu der Gemeinde im Bodenseehinterland. Sie hat, wie so viele Kommunen, Geldsorgen. Damit die Ausgaben für das Schwimmbad im Ortsteil Kalkofen die Kasse nicht mehr belasten, ging das Bad an einen privaten Betreiber. Der ging 2004 in Konkurs. Mitten im Sommer musste das Freibad geschlossen werden. Im April 2005 entschied dann der Gemeinderat, dass es vorerst bei der Schließung bleibt.
In einer Umfrage des Gewerbevereins hatten sich aber mehr als 60 Prozent der 2000 Einwohner für das Schwimmbad ausgesprochen. Was blieb, war die Eigeninitiative, und die haben die Bürger ergriffen. Nach dem Gemeinderatsbeschluss trafen sich drei Monate lang jede Woche etwa 15 Leute, um zu überlegen, was getan werden kann und finanziell möglich ist. Mitte Juli luden sie zu einem Schwimmbadfest ein und stellten ihre Pläne vor.
"Die Resonanz war überwältigend", erinnert sich Adolf Hahn, der Vorsitzende des Vereins "Naturbad Hohenfels". Drei Tage nach dem Fest wurde dieser Verein gegründet. 100 Mitglieder waren sofort dabei. "Inzwischen sind es 380", sagt Adolf Hahn. Die Vereinsmitglieder wollten sich ihr eigenes Schwimmbad bauen. Es sollte ein Naturbad sein, das nach dem Prinzip der Pflanzenkläranlagen funktioniert. Drei Architekten gaben ihre Vorschläge ab.
6800 Stunden im Einsatz
Die Mitglieder entschieden sich für denjenigen, bei dem am meisten Eigenleistung möglich war. Die Kosten wurden auf 220 000 Euro geschätzt. "90 000 Euro sollten Material und Planung kosten, in Eigenleistung sollten 130 000 Euro erbracht werden", berichtet Hahn. Ein ehrgeiziger Plan, der aufgegangen ist. Mitgliedsbeiträge, Spenden und ein Kredit sicherten die Finanzierung. Die Gemeinde verpachtete das Bad an den Verein und schießt jährlich 5000 Euro zu. Ende August 2005 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Der lange Winter verzögerte zwar den Weiterbau, doch dafür wurde im Frühjahr 2006 umso intensiver geschuftet. "Am 4. Juni waren 65 Leute auf der Baustelle. Die haben an diesem Tag zusammen über 365 Stunden gearbeitet", berichtet Adolf Hahn. Am 10. Juni war Eröffnung.
In über 6800 Stunden Eigenarbeit ist ein naturnahes Bad mit Holzbrücke und Sprungfelsen entstanden, in dem viel mit großen Kieselsteinen, Holz und Pflanzen gestaltet ist. Das alte Wasserbecken aus Beton wurde herausgerissen. Stattdessen schwimmen die Besucher in einem 34 Meter langen und 12,5 Meter breiten Becken aus Teichfolie, das mit Trinkwasser gefüllt ist.
Das Badewasser muss nicht gechlort werden. Zwei Umwälzpumpen halten das Wasser in Bewegung. Zur Reinigung fließt es durch ein Laubfang- und zwei Filterbecken. Die Wasserqualität wird immer wieder vom Landratsamt und wöchentlich von einem privaten Untersuchungsinstitut kontrolliert.
"Die zwei Pumpen, das ist alles, was wir an Technik haben", sagt Hahn. Den Rest erledigen die Pflanzen - und die Sonne. Die erwärmt das Wasser in den flachen Zonen. Da es ständig in Bewegung ist, wird das warme Wasser im ganzen Badebecken verteilt. Am sonnigen Mittwoch hatte es immerhin 21,5 Grad.
VON PETRA WALHEIM

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