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Bayrisches Landwirtschaftliches Wochenblatt Nr. 49, 10.12.2005
Viele Varianten möglich
Wie in kleinen Orten die Abwasserfrage gelöst wurde
Auf viele kleine Siedlungen kommt es in den nächsten Jahren noch zu: Sie müssen eine saubere Lösung für ihr Abwasser finden. Die Beispiele in diesem und im nächsten WOCHENBLATT sollen eine Anregung sein, was man alles machen kann und welche Techniken es gibt. Das Abwasser von rund 95 Prozent der bayerischen Bevölkerung wird in rund 2900 kommunalen Kläranlagen gereinigt. Noch etwa ein Prozent kann nach den Vorstellungen der Gemeinden in den nächsten Jahren zusätzlich an öffentliche Anlagen angeschlossen werden. Die verbleibenden vier Prozent, das sind etwa 500.000 Einwohner, wohnen in Streusiedlungsgebieten oder in abgelegenen Einzelanwesen, die nicht an öffentliche Anlagen angeschlossen werden können. Dort muss die Abwasserbeseitigung auf Dauer mit dezentralen Kleinkläranlagen erfolgen, für die die Grundstücks- beziehungsweise Hausbesitzer jeweils selbst verantwortlich sind.
Die Entscheidung, ob die Abwasserbeseitigung in einer Ortschaft öffentlich oder privat erfolgt, trifft die Gemeinde im Rahmen ihrer Satzungshoheit. Dabei sind auch Wirtschaftlichkeitsaspekte zu berücksichtigen. Die Wasserwirtschaft berät die Gemeinden bei der Aufstellung der Abwasserentsorgungskonzepte. Zur Umsetzung der dezentralen Lösungen steht auf dem Markt eine große Palette technischer Lösungen zur Verfügung, von der naturnahen Anlage in Form eines Abwasserteichs bis zur technisch anspruchsvollen Anlage mittels Membrantechnik, die das Abwasser in höchster Qualität reinigt. Für die Betroffenen ist deshalb die frühzeitige und kompetente Beratung das A und 0. Dafür stehen Anlagenplaner, private Sachverständige in der Wasserwirtschaft, die fachkundigen Stellen an den Kreisverwaltungsbehörden sowie die Wasserwirtschaftsämter zur Verfügung.
Fachlich zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen Kleinkläranlagen, das sind Anlagen mit einer Ausbaugröße von vier bis etwa 50 Einwohnerwerten, und kleinen Kläranlagen, die für Ausbaugrößen ab 50 bis mehreren hundert Einwohnerwerten ausgelegt sind. Über Kleinkläranlagen ist an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet worden; weitergehende fachliche Informationen zu dieser Thematik bietet die Broschüre "Abwasserentsorgung von Einzelanwesen" des Bayerischen Landesamts für Umwelt, die bei jedem Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt erhältlich ist. Sie steht auch im Internetangebot des Landesamts zur Verfügung (www.bayern.de/lfw/service/download/abwasser_einzel.htm).
In diesem Beitrag werden Beispiele für kleine Anlagen vorgestellt. Beschrieben werden einige Vorzeigeprojekte für Anlagengrößen von 50 bis 200 Einwohnern in Bayern in Form von "Steckbriefen". Auch die bei der Planung untersuchten Alternativen werden erläutert. Die Wasserwirtschaftsämter Nürnberg, Landshut, Ingolstadt und Rosenheim haben die Beispiele geliefert, die Betreiber der Anlagen haben ihre Erfahrungen mit ihrer Anlage beigesteuert. Die Beispiele zeigen auch konkret auf, wie durch Eigenleistungen bei der dezentralen Abwasserbeseitigung die Kosten gesenkt werden können, bis hin zur Erstellung der gesamten Anlage unter Anleitung des Planers. In Einzelfällen kümmern sich sogar engagierte Bürgerinnen und Bürger, die sich in einem Abwasserverein zusammen geschlossen haben, um den Betrieb der Anlage. Die Wasserwirtschaft unterstützt die Gemeinden bei ihrer Entscheidungsfindung, die wirtschaftlichste und umweltgerechte Lösung für den jeweiligen Fall zu finden. Dezentrale Anlagen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Nicht immer jedoch entscheidet allein die Wirtschaftlichkeit: In zwei Fallbeispielen wird gezeigt, warum sich die betroffenen Bürger selbst trotz höherer Kosten für einen Kanalanschluss an die bereits bestehenden kommunalen Kläranlagen entschieden haben.
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Abwasseranlage Waizenfeld
Lage
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Nürnberger Land Gemeinde: Pommelsbrunn
Ortsteil: Waizenfeld
Anlagenbetreiber: Gemeinde Pommelsbrunn
Anlagentechnik
Typ: Pflanzenbeetanlage
Ausbaugröße: 110 EW
in Betrieb seit: August 2001
Planer: Ingenieurbüro Janisch & Schulz, Gambach
Vorfluter: Versickerung in das Grundwasser
Kosten
Investitionskosten gesamt: Kläranlage 246.000 Euro
Jahr der Förderung: 2001 Fördersumme: 197.000 Euro
förderfähige Eigenleistung: ja
Art der Eigenleistung: Bau der Kläranlage durch Dorfbewohner
Beschreibung, Besonderheiten
Der Ortsteil Waizenfeld wird im Trennsystem entwässert. Auf Grund der Lage im Randbereich des Karstes sind erhöhte Anforderungen an die Einleitung ins Grundwasser festgelegt (CSB 90 mg/l, BSB5 20 mg/l, Ausbau und Betrieb mit Nitrifikation). Als Abwasserbehandlungsverfahren wurde eine Pflanzenk1äranlage gewählt, die nach der Absetzung der Grobstoffe in einem Emscherbecken zweistufig erstellt wurde: Das vorgereinigte Abwasser durchfließt in einer ersten Stufe ein vertikales Beet, in einer zweiten Stufe ein horizontal durchflossenes Beet. Als Alternative wurde der Anschluss an einen anderen Ortsteil der Gemeinde Pommelsbrunn untersucht.
Für den Schlamm aus dem Emscherbecken wurde ein Klärschlammvererdungsbeet angelegt. Obwohl die Kläranlage circa 300 Meter von der Ortschaft entfernt ist, wurde für die Wechselbeschickung (intermittierend) der Kläranlage eine Pumpe mit Stromanschluss installiert. Die Bürger des Ortsteils Waizenfeld haben die Kläranlage unter Anleitung des planenden Ingenieurs in gemeinsam circa 700 Arbeitsstunden selbst erstellt. Nur die Erdarbeiten an der Kläranlage und die Ortskanalisation wurden an Fachfirmen vergeben. Das Abwasser besteht hauptsächlich aus häuslichen Einleitungen. Im Ort sind eine Gastwirtschaft, die vor allem am Wochenende gut besucht ist, und ein Landwirt mit Milchwirtschaft.
Weitere Informationen
Anlagenbetreiber: Gemeinde Pommelsbrunn
Rathausplatz 1
91224 Pommelsbrunn
Ansprechpartner: Bürgermeister Oberleiter, Herr Bleisteiner E-Mail: info@pommelsbrunn.de Telefon: 0 91 54 / 9 19 80
Aus Sicht der Gemeinde
Angestoßen wurde die verwirklichte Lösung in Waizenfeld nach Angaben der Gemeinde Pommelsbrunn durch Beispiele in einschlägigen Fachzeitschriften, zum Beispiel auch im WOCHENBLATT, sowie durch einen Erfolgsbericht des planenden Ingenieurbüros. Die betroffenen Ortsbürger wurden vorab informiert und erklärten zugleich die Bereitschaft zur Eigenleistung. Insgesamt wurden über 700 Arbeitsstunden geleistet, die bei der Beitragsberechnung angerechnet wurden. Bei zwölf Anwesen wurde lediglich eine Gegenstimme abgegeben. Aus Sicht der Gemeinde Angestoßen wurde die verwirklichte Lösung in Waizenfeld nach Angaben der Gemeinde Pommelsbrunn durch Beispiele in einschlägigen Fachzeitschriften, zum Beispiel auch im WOCHENBLATT, sowie durch einen Erfolgsbericht des planenden Ingenieurbüros. Die betroffenen Ortsbürger wurden vorab informiert und erklärten zugleich die Bereitschaft zur Eigenleistung. Insgesamt wurden über 700 Arbeitsstunden geleistet, die bei der Beitragsberechnung angerechnet wurden. Bei zwölf Anwesen wurde lediglich eine Gegenstimme abgegeben. Sowohl der Gemeinderat als auch das zuständige Wasserwirtschaftsamt standen äußerst positiv zu diesem Vorhaben. Weder beim Bau noch beim Betrieb sind Probleme aufgetreten. Im Gemeindegebiet wurden weitere vier Ortsteillösungen nach dem Waizenfelder Modell realisiert. Die Akzeptanz bei den angeschlossenen Bürgern ist ungebrochen. Schließlich konnten mit dem Bau dieser Pflanzenkläranlage sowohl die Beitragsbelastung als auch die laufenden Abwassergebühren deutlich gesenkt werden. Durch die eigenständige Betreuung der Anlage durch die Ortsbürgerschaft entfallen die Personal- und Wegekosten des gemeindlichen Klärpersonals.Sowohl der Gemeinderat als auch das zuständige Wasserwirtschaftsamt standen äußerst positiv zu diesem Vorhaben. Weder beim Bau noch beim Betrieb sind Probleme aufgetreten. Im Gemeindegebiet wurden weitere vier Ortsteillösungen nach dem Waizenfelder Modell realisiert. Die Akzeptanz bei den angeschlossenen Bürgern ist ungebrochen. Schließlich konnten mit dem Bau dieser Pflanzenkläranlage sowohl die Beitragsbelastung als auch die laufenden Abwassergebühren deutlich gesenkt werden. Durch die eigenständige Betreuung der Anlage durch die Ortsbürgerschaft entfallen die Personal- und Wegekosten des gemeindlichen Klärpersonals.
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siehe dazu weiterführende Links:
Gemeinde Pommelsbrunn
Referenzen PKA Waizenfeld

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