Waldeckische Landeszeitung - Frankenberger Zeitung, 09.11.2005


Willershäuser haben sieben Jahre um eine bezahlbare Lösung gekämpft - Bauarbeiten laufen

Pflanzenkläranlage wird in diesem Monat fertig



von Dr. Karl Schilling

Von Günter Olbrich ROSENTHAL-WILLERSHAUSEN. Sie nimmt Gestalt an, die neue Pflanzenkläranlage am Rande des kleinen Dorfes. Ende dieses Monats soll sie vollendet sein. Damit nähert sich ein jahrelanges Politikum dank des Engagements der Einwohner einem positiven Ende.

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern . Ausgangslage: Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet die Abwässer des Dorfes bis Ende 2005 zu klären. 1998 wurden die 82 Willershäuser mit der ersten Planung eines Ingenieurbüros konfrontiert. Es wollte Willershausen an die Kläranlage in Rosenthal anschließen. Der dafür notwendige Freispiegelkanal sollte 1,14 Millionen Euro kosten - zu viel für die wenigen Einwohner. Widerstand regte sich. Doch der damalige Bürgermeister Holger Straub setzte wie die Fachbehörden auf diese Lösung.

Was tun? "Wir müssen uns selbst um eine kostengünstige Lösung bemühen, wir müssen Alternativen finden, sonst sind wir alle bankrott", forderte Karl Trust. Schnell fand sich eine Gruppe von sieben Leuten zusammen, die nach einer anderen Lösung suchen wollte. Diese Arbeitsgruppe "Abwasser Willershausen" besuchte in Hessen und Niedersachsen etwa gleich große Dörfer, um sich deren Abwasserbeseitigung anzusehen, Bau- und Betriebskosten zu erfragen und Erfahrungswerte der Betreiber zu ermitteln. Bei Ausstellungen und Messen haben sie Hersteller angesprochen. Einige waren bereit, die Funktionsweise ihrer Kleinkläranlagen in Willershausen zu zeigen.

Eines lernte die Gruppe schnell: Es gibt mehrere gesetzlich zulässige Möglichkeiten, um Abwässer zu klären. Entscheidend ist, was aus der Anlage herauskommt. Das war eine wichtige Erfahrung, hatten sie von den Ingenieuren bisher doch immer nur von den langen Kanälen und aufwändigen, großen Kläranlagen gehört.

Die Gruppe besichtigte nicht nur bestehende Anlagen, sie forderte auch Firmen auf, Konzepte fürs Dorf zu entwickeln. In zahlreichen Bürgerversammlungen und Informationstreffen des Ortsbeirates gab die Gruppe mögliche Alternativen weiter. Nach mehrmonatlichen Recherchen war noch immer nicht die "Willershäuser LösungÓ gefunden. Mit dem neuen Bürgermeister Hans Waßmuth kam Bewegung in die Abwasserfrage. Der war auch nötig, denn die untere Wasserbehörde machte Druck: Bis Ende dieses Jahres muss die Kläranlage im Betrieb sein, anderenfalls verfallen die Landeszuschüsse. Die Stadtverordneten und die Willershäuser einigten sich im Sommer schließlich auf eine Pflanzenkläranlage Die Baukosten dafür wurden mit 440000 Euro veranschlagt.

Der Magistrat schrieb die Planung aus, das Ingenieurbüro Kröner erhielt den Zuschlag. Im Juli liefen die Ausschreibungen für die Arbeiten. Das Ergebnis war für alle Beteiligten ein Schock: Das vorgesehene Bohr-Spül-verfahren für die Kanäle erwies sich als zu teuer. Plötzlich war das Aufreißen der Fahrbahn günstiger. Die Pflanzenkläranlage wurde mit 150000 Euro einschließlich Nebenkosten teurer, die Kanäle mit 290000 Euro dagegen billiger. Letztlich blieben die Kosten im geplanten Rahmen. Werden von den Gesamtkosten die Zuschüsse abgezogen, bleiben für die Willershäuser noch 200000 Euro an Beiträgen zu bezahlen - ein gutes Ergebnis angesichts der ursprünglichen Planungen.

Seit Anfang Oktober wird die Kläranlage gebaut, fristgerecht zum 30. November soll sie vollendet sein. Mit dem Bau der Kanäle wird ebenfalls noch dieses Jahr begonnen, im nächsten Frühjahr soll er beendet sein. Die Stadt plant, im Januar nächsten Jahres die erste Rate der Beiträge einzuziehen.

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