Heidenheimer Zeitung, 19.06.2004
Erste Anlagen funktionieren einwandfrei
Wasserreinigung in Gnannenweiler bereits in Betrieb - Pflanzenkläranlagen in Neuselhalden in dieser Woche im Bau
Von Klaus-Dieter Kirschner
GNANNENWEILER/NEUSELHALDEN. "Ich hätt' net gedacht, dass des so klasse funktioniert" , freute sich Gemeinderat Albert Grözinger und sein Nachbar, Siegfried Gebhardt, Ortswart in Gnannenweiler , teilt die Begeisterung. Seit einigen Monaten ist die dezentrale Abwasserentsorgung in Gnannenweiler in Betrieb und sie funktioniert erstklassig.
Die Abwasserreinigung für Gnannenweiler und Neuselhalden war lange Zeit ein kommunalpolitisch heißes Eisen, verlangten doch die Behörden allen Ernstes einen rohrleitungsmäßigen Anschluss der Filialorte an die Sammelkläranlage Mergelsterten. Eine umweltverträgliche und äußerst kostensparende Lösung wurde gefunden. Die ersten Pflanzenkläranlagen sind im höchstgelegenen Dorf des Kreises Heidenheim in Betrieb, außerdem so genannte Tropfkörperanlagen. Den Pflanzenkläranlagen sind Drei-Kammer-Gruben zur Vorreinigung des Abwassers vorgeschaltet. Albert Grözinger musste aus topographischen Gründen etwas mehr Geld als alle anderen im Dorf ausgeben. Eine Pumpe drückt das Wasser zur letzten Reinigungsstufe, der Pflanzenkläranlage.

Am Ortsrand von Neuselhalden wurden mit vereinten Kräften durch die Landwirte zwei Pflanzenkläranlagen gebaut. Der in Heidenheim geborene Jörg Janisch (auf den Bildern im dunklen Hemd) freut sich, in der alten Heimat solche besonderen Kläranlagen bauen zu dürfen. Nahe des Anwesens Dauner wurde ein Klärwerk für acht Einwohner-Gleichwerte angelegt. Auf einer dicken Folie kamen Lagen aus Kies und Sand; am Auslauf wurde ein betonierter Kontrollschacht (Bild oben) aufgestellt.

Siegfried Gebhardt wie auch Albert Grözinger äußerten große Zufriedenheit. Die Reinigungsleistung werde immer besser. Die Investitionskosten liegen zwischen 5000 und 6000 Euro pro Anlage; die Eigenleistungen nicht mitgerechnet. Albert Grözinger: "Von den Baukosten waren wir wirklich angenehm überrascht."
Diese Woche war nun in NeuseIhalden großes Bauen und gegenseitiges Helfen der Dorfbewohner angesagt. Zwei Pflanzenkläranlagen entstanden binnen zweier Tage: die eine südlich des Hofs Dauner, die andere östlich des Hofs vom Unterbauer. Ein Lastzug um den anderen fuhr vor, um entweder Sand oder Kies abzukippen.
Auf der Baustelle trafen wir Jörg Janisch, einen gebürtigen Heidenheimer, der jetzt im Hessischen arbeitet und für die Firma Janisch & Schulz Pflanzenkläranlagen baut. Sogar bis China hat sich dieses Unternehmen herumgesprochen. Im Rems-Murr-Kreis und im Kreis Schwäbisch Hall seien schon sehr viele Pflanzenkläranlagen in Betrieb. Der Kreis Heidenheim war bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte. Solche Pflanzenkläranlagen seien vom Grundsatz her in Baden-Württemberg überall genehmigungsfähig, sagte Jörg Janisch und schloss nicht aus, dass es vielleicht an den Behörden liege, dass diese umweltfreundliche wie äußerst kostengünstige Art der Abwasserreinigung noch immer nicht auf dem Vormarsch ist.
"Neuselhalden und Gnannenweiler sind die ersten Orte im Kreis Heidenheim, die bereits Pflanzenkläranlagen betreiben oder welche bekommen", unterstrich Jörg Janisch die vorbildliche Rolle der Landwirte und erklärte die vergleichsweise einfache Herstellung. Zunächst sieht alles danach aus, als wolle sich jemand einen übergroßen Gartenteich zulegen. In Neuselhalden entstanden in dieser Woche zwei Pflanzenkläranlagen - die eine ist für acht Einwohner-Gleichwerte (EGW) ausgelegt, die andere für 45 EGW. über bereits verlegte Rohrleitungen wird diesen Pflanzenkläranlagen das in einer Dreikammergrube vorbehandelte Abwasser im Freispiegelgefälle zugeführt und in dem Becken durch die Pflanzen gereinigt. Am Ende läuft über einen Kontrollschacht das saubere Wasser in eine Versickerungsgrube. Landwirt Ernst Ziegler, einer der Bauherrn in NeuseIhalden, hat an seiner Anlage sechs Gehöfte bzw. Gebäude angeschlossen.
Basis beider Pflanzenkläranlagen ist ein großes rechteckiges, unterschiedlich großes Becken, das mit einer wasserundurchlässigen Folien ausgelegt ist. Darauf kommen verschiedene Lagen aus Kies und Sand unterschiedlichster Körnung. Wenn später Wasser eingeleitet ist, wird der Betrachter keine teichähnliche Wasserfläche vorfinden. Nur Kies und Schilf werden zu sehen sein. Die Anlage Dauner wird vertikal mit dem Abwasser beschickt, die Anlage Ziegler horizontal.
Die Pflanzen können bis zu drei Meter hoch wachsen und bedürfen des gelegentlichen Zurückschneidens. Jörg Janisch: "Ansonsten sind diese Pflanzenkläranlagen weitgehend wartungsfrei und verbrauchen keinen Strom. Die Verweildauer des Wassers, bis es sauber die Pflanzenkläranlage verlässt, liegt bei drei bis vier Tagen." Zweimal im Jahr müssten Proben aus der Pflanzenkläranlage zur Untersuchung gezogen werden, sagt Janisch und erwähnt eher beiläufig die fünf Jahre Gewährleistung.

Im Steinheimer Teilort Gnannenweiler sind die von den Behörden geforderten Anlagen zur dezentralen Wasserreinigung bereits vollendet und seit geraumer Zeit in Betrieb. Unser Bild zeigt die Pflanzenkläranlage, die unweit vom landwirtschaftlichen Anwesen Albert Grözingers entstanden ist. Allseits herrscht über diese Art der Abwasserreinigung große Zufriedenheit. Foto: kdk
