Dill-Zeitung 04.07.2003


Im Garten von Karl-Heinz Bieber in Hirzenhain

Schilfpflanzen und Mikroorganismen arbeiten als ökologisches Klärsystem


ESCHENBURG-HIRZENHAIN (mg) _ Ein alles andere als alltägliches Klärsystem besitzt der Hirzenhainer Karl-Heinz Bieber. Bereits seit fünf Jahren "arbeiten" in seinem Garten in der Schelde-Lahn-Straße Schilfpflanzen und Mikroorganismen als "ökologische Kläranlage". Und die Erfahrungen des Hirzenhainers sind gut: Ich bin vollauf zufrieden mit dieser Lösung."

Anlässlich des kleinen Jubiläums trafen sich jetzt Grundstückseigentümer Bieber und seine Partner _ darunter die Ingenieursgesellschaft Janisch und Schulz aus Gambach, die die Anlage errichtet hatte _ an der Kläranlage, die sich gut in das Gartenbild einfügt. Gemeinsam blickten alle Beteiligten auf die Geschichte des Klärsystems zurück, das der heute 73-jährige Rentner seinerzeit in Absprache mit der Gemeinde Eschenburg errichtet hatte. Er musste die rund 8000 Euro teure Anlage bauen, weil er keinen Anschluss an das allgemeine Klärsystem hatte. Durch die außerörtliche Lage seines Hauses hätte ein eigener Anschluss die Gemeinde und den Anlieger seinerzeit rund 60000 Mark gekostet.

Die Idee, eine Pflanzenkläranlage zu bauen, überzeugte die Gemeinde und den Betroffenen _ bis heute handelt es sich jedoch in Eschenburg um ein Pilotprojekt, ähnliche Anlagen gibt es allerdings in Oberscheld. Das System ist relativ einfach: Der grobe Schmutz des Abwassers fließt in ein Vorklärbecken, wo sich die groben Verunreinigungen auf dem Grund absetzen. Danach fließt das Abwasser in die Pflanzenkläranlage. Dort wird mit Hilfe von Mikroorganismen, die sich aus dem Humus der Schilfpflanzen gebildet haben, das Wasser gereinigt. Wichtig sind auch der sandig-kiesige Boden und die Wurzeln der Schilfpflanzen, die den Boden locker halten und für einen geregelten Stoffwechsel im Boden sorgen. Damit haben die Mikroorganismen optimale Bedingungen. Schließlich fließt das Wasser ab und wird, wie von der kommunalen Kläranlage gereinigt, in die Schelde geleitet.

Das 30 Quadratmeter große Becken in Biebers Garten ist in der Lage, Abwasser von maximal sechs Personen zu reinigen. Die groben Verschmutzungen werden alle sechs Monate abgepumpt. "Wichtig war es, vor Ort eine Kläralternative zu schaffen", erklärte Christian Schulz, der Geschäftsführer des Ingenieurbüros. Ähnliche Anlagen könnten in privaten Haushalten, in Kommunen oder Gewerbebetrieben installiert werden. Positiv machten sich die niedrigen Installationskosten bemerkbar, auch die Energiekosten seien gering. Die Wartung sei einfach. Eine lange Lebensdauer sei garantiert. Auch Tiere lassen sich in der Anlage nieder, die einem Feuchtbiotop ähnelt. Werner Heinz, der Klärmeister des Abwasserverbands Obere Dietzhölze, bestätigte den guten Wasserzustand. Das Nass habe einen Reinigungsgrad von bis zu 90 Prozent.



Christian Schulz, Thomas Mrogenda von der Unteren Wasserbehörde des Lahn-Dill-Kreises, Werner Heinz (Klärmeister des Abwasserverbandes), Karl-Heinz Bieber (2.v.r.) und Rolf Reeh von der Gemeinde Eschenburg trafen sich zum Meinungsaustausch am ökologischen Klärsystem in Hirzenhain. Bild: mg



www.pflanzenklaeranlagen.de