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Gemeindezeitung, 02.05.02
Dezentrale Abwasserreinigung durch Pflanzenkläranlagen:
Naturnähe Klärsysteme mit Schilf haben sich bewährt
Im ländlichen Raum stößt die Abwasserableitung durch ein flächendeckendes Kanalnetz immer mehr an die Grenzen der Finanzierbarkeit, oft nur mit hohen Subventionen der Landesregierung durchführbar. Speziell in den bayerischen Mittelgebirgen sind geologische Gegebenheiten vorzufinden, die die Kosten für Abwassersammler in die Höhe treiben.
Eine Alternative sind kleine dezentrale Kläranlagen. In Ortsrandnähe positioniert erfordern sie nur kurze Leitungswege und damit niedrige lnvestitionskosten. Aufgrund der regionalen Betrachtungsweise können sie optimal für den bestimmten Zweck dimensioniert werden. In puncto Reinigungsleistung stehen sie ihren großen Kollegen in nichts nach. Das gereinigte Abwasser wird in das nächstgelegene Fließgewässer oder über Versickerungsanlagen in den Untergrund eingeleitet.
Problematik
Problematisch wird die Angelegenheit in Gebieten ohne Fließgewässer und kurzem Sickerweg zum Grundwasserleiter - also in stark klüftigem Untergrund wie beispielsweise in Karstgebieten. Bis vor zwei Jahren sah die Wasserwirtschaft hier vor, das Abwasser außen liegender Ortschaften mit Freispiegelleitung oder mit Hilfe einer Pumpstation und Druckleitung zur nächsten zentral gelegenen Kläranlage zu fördern. Dann konnte das gereinigte Wasser in ein Fließgewässer eingeleitet werden.
Merkblatt des LfW
Da etwa ein Sechstel der bayerischen Landesfläche auf Karstgebiet liegt, beschloß das Bayerische Landesamt für Wasserwirtschaft dort unter Umständen kleine Kläranlagen zuzulassen. Das entsprechende Merkblatt der Behörde nennt die Voraussetzungen, z. B. strenge Anforderungen an die Reinigungsleistung verschiedener Klärsysteme. Bei der Auswahl des geeigneten Reinigungssystems nehmen Pflanzenkläranlangen hier einen immer höheren Stellenwert ein. Unter den Hauskläranlagen mittlerweile als zuverlässiges Reinigungssystem etabliert, wächst ihre Akzeptanz auch als Alternative zu den konventionellen technischen Kläranlagen im Bereich der kommunalen Abwasserreinigung stetig.
Minimierung der Technik
Die ökonomischen Vorteile dieses naturnahen Klärprinzips basieren auf einer Minimierung eingesetzter Technik. Zwar sind die Investitionskosten mit denen technischer Systeme in einigen Fällen vergleichbar, es fallen aber in der Regel erheblich niedrigere jährliche Betriebskosten an. Auch kann die Wartung einer Pflanzenkläranlage nach kurzer Einweisung problemlos vom gemeindlichen Klärwerkspersonal durchgeführt werden. Des weiteren werden Pflanzenkläranlagen prozentual im gleichen Maße bezuschusst wie andere, technische Abwasserreinigungssysteme.
Anlage verfügt über hohen ökologischen Wert
Bei der ökologischen Betrachtung ragen vor allem die ganzjährig hohe Reinigungsleistung sowie die Betriebssicherheit aufgrund des hohen Pufferungsvermögens heraus. Dass sich eine solche Anlage harmonisch ins Landschaftsbild einpasst und ein wertvolles Biotop darstellt, unterstreicht ihren ökologischen Wert.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Pommelsbrunn im Nürnberger Land
Der mittelfränkische Ort Waizenfeld der Gemeinde Pommelsbrunn (Landkreis Nürnberger Land) stand im Jahr 2000 vor der Frage der Abwasserreinigung. Neben der Möglichkeit der Ableitung zur Kläranlage nach Hartmannshof wurde auch die Abwasserreinigung vor Ort geprüft. Da in angemessener Entfernung der Ortschaft kein zur Aufnahme des gereinigten Abwassers geeignetes Fließgewässer vorhanden war und das vorgesehene Gelände zudem in klüftigem Karstgebiet lag, bestand für diese Anlage ein besonders hoher Anspruch an die Reinigungsleistung.
Nach fachlicher Information durch die Bauabteilung der zuständigen Gemeinde Pommelsbrunn erhielt das System Pflanzenkläranlage im Februar 2001 die Zustimmung der Bürger. Den Auftrag für die Planung und Bauleitung erhielt die Ingenieurgesellschaft Janisch & Schulz mbH aus Gambach. Die Anlage war aufgrund eines gut frequentierten Gasthauses auf eine Kapazität von 110 Einwohnergleichwerten auszulegen. In enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Nürnberger Land wurde ein ausführliches Konzept entworfen.
Ein Emscherbecken übernimmt die mechanische Vorreinigung der Abwässer. Das Herzstück bildet eine 440 m² umfassende, vertikal durchströmte Pflanzenkläranlage mit nachfolgendem Horizontalfilter. Mit dieser Verfahrenskombination wird das Abwasser so effektiv gereinigt, daß es entsprechend dem Anforderungsprofil des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes trotz Karstgebiet über eine belebte Bodenzone (Mulde) dem Untergrund zugeführt werden kann. Der anfallende Klärschlamm verbleibt ebenfalls in Waizenfeld: In einem mit Schilf bepflanzten Vererdungsbeet wird er auf natürliche Weise getrocknet.
Im Juni 2001 begannen die Bauarbeiten. Zwei Monate später erfolgte bereits die Inbetriebnahme und im November konnte die Anlage im Beisein von Bürgermeister, Landrat, Miarbeitern des Wasserwirtschaftsamtes und der beteiligten Firmen sowie Bürgern und Freunden der Ortschaft Waizenfeld feierlich eingeweiht werden.
Niedriger Abwasserpreis garantiert
Nicht zuletzt aufgrund des hohen Engagements der Waizenfelder Bürger (die zum Teil aktiv am Bau beteiligt waren) konnte diese anspruchsvolle Kläranlage kostengünstig erstellt werden. Ein über Jahre hinweg niedriger Abwasserpreis ist garantiert.
Dieses und andere Beispiele zeigen, dass es für die Abwasserreinigung im ländlichen Raum keine Schubladen gibt. So verschieden wie die lokalen Gegebenheiten - sei es politisch, geologisch oder infrastrukturell - so verschieden sind auch die Aufgabenstellungen. Eine genaue Prüfung der Lösungsmöglichkeiten im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft ist unabdingbar. Pflanzenkläranlagen erweisen sich dabei aber immer wieder als ein flexibles, zuverlässiges und zugleich kostengünstiges Reinigungssystem
Dipi.-Ing. Christian Schulz, Gambach

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