
|
Die Kläranlage besteht aus drei Teichen, die stufig in einen Abhang am Waldrand errichtet wurden. Vorgeschaltet ist eine Grube für Schlamm. Das Schmutzwasser gelangt zuerst in einen Teich, der dick mit Wasserlinsen bedeckt ist. Über dem Wasserspiegel schweben Libellen, am Rande stehen Schwanenblume, Sumpfiris, Teichbinse, Seerosen und Wasserminze. Letztere ist in der Lage, Keime zu binden, aber es ist die Vielfalt der Wasserpflanzen, die die ausgezeichnete Reinigungskraft der Teiche ausmacht, wie Ingenieur Jörg Janisch sagte. Sauerstoffeintrag aus der Luft und Pflanzen reinigen das Wasser, das in den zweiten Teich geleitet wird, der wenn des geringeren Nährstoffgehaltes mit deutlich weniger Wasserlinse besetzt ist. Im dritten Teich ist das Wasser fast klar, der Ausfluss der Flüssigkeit geht in die Lauter. Nach zwei Untersuchungen der Wasserqualität am Auslauf werden die Grenzwerte weit unterschritten, die Ergebnisse liegen weit unter der Nachweisgrenze.
Kein Wunder, dass die Eigentümer-Gemeinschaft der Wochenendsiedlung, die ja gleichzeitig Eigentümer der Kläranlage ist, sehr zufrieden mit dem Klär-Konzept ist. Wie ihr Sprecher Max Majewski sagte, stelle das ideale Konzept für eine solche Siedlung dar. Er erinnerte daran, dass die Häuschen aus dem Jahre 1972 zunächst mit Sickergruben ausgestattet wurden. Die Genehmigung hierfür wurde nach 20 Jahren aber nicht erneuert, vielmehr forderten Wasserwirtschaftsamt und Untere Wasserbehörde einen Anschluss an die kommunale Kläranlage oder eine eigene Klein-Kläranlage. Eine Druckleitung in das 1,2 Kilometer entfernte Dorf hätte 356000 DM gekostet, die dann von 24 Hausbesitzern hätten getragen werden müssen. Deshalb suchte man lange nach einer anderen Lösung, bis man auf das Ingenieurbüro "Janisch und Schulz" aus Gambach verfiel, das für rund 110000 DM die naturnahe Teichkläranlage plante und errichtete. Die Unterhaltungskosten sind auch nicht höher.
Für Bürgermeister Horst ist ein durchaus positiver Nebeneffekt, dass das Büro auch die Wartung übernommen hat - so muss kein Klärwärter zu dieser neunten Kläranlage auf Ulrichsteiner Boden fahren. Er verwies auch darauf, dass diese Lösung die Gemeinde aus einer Zwickmühle befreit habe. Schließlich sei die Stadt zur Wasserentsorgung verpflichtet, die Eigeninitiative der Eigentümer habe da einen kostengünstigen Ausweg gewiesen. Zuerst habe man den Anschluss an die Kläranlage Rebgeshain favorisiert, so Horst, aber dann hätte man auch einen teuren Regenwasserkanal bauen müssen. Auch sei der Stadt viel Arbeit für den Bau der Druckleitung erspart geblieben. Überdies bleiben nun Kapazitäten der Kläranlage frei für ein Neubaugebiet. Kurz gefasst: Es sei für alle Beteiligten die ideale Lösung. Das Verfahren komme auch für Wochenendareale bei Bobenhausen in Betracht, auch wenn dort die Landschaft ungünstiger sei.

|

|