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Der Gemeinderat, Januar 2002
Wirtschaftliche Lösungen
Für die Abwasserbehandlung im ländlichen Raum sind die Möglichkeiten im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft zu prüfen. Pflanzenkläranlagen erweisen sich dabei als kostengünstige Reinigungssysteme.
Bei der Auswahl eines geeigneten Systems für die Abwasserbehandlung im ländlichen Raum nehmen dezentrale Pflanzenkläranlagen einen immer höheren Stellenwert ein. Unter den Hauskläranlagen mittlerweile als zuverlässiges Reinigungssystem etabliert, wächst ihre Akzeptanz als Alternative auch zu den konventionellen technischen Kläranlagen für die kommunale Abwasserreinigung stetig.
Die ökonomischen Vorteile dieses naturnahen Klärprinzips basieren auf einer Minimierung eingesetzter Technik. Zwar sind die Investitionskosten mit denen technischer Systeme vergleichbar, es fallen aber in der Regel erheblich niedrigere Betriebskosten an. Die Wartung einer Pflanzenkläranlage kann vom Klärwerkspersonal der Gemeinde nach kurzer Einweisung problemlos übernommen werden.
Bei der ökologischen Betrachtung ragen die ganzjährig hohe Reinigungsleistung sowie die Betriebssicherheit aufgrund des hohen Pufferungsvermögens heraus. Dass sich eine solche Anlage harmonisch ins Landschaftsbild einpasst und ein wertvolles Biotop darstellt, unterstreicht ihren ökologischen Wert.
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Erfreulicher Anlass: Kläranlageneinweihung in Waizenfeld mit Bürgermeister Oberleiter (rechts) und Landrat Reich (Zweiter von rechts).
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Wie mittels Pflanzenkläranlagen die Abwasserbehandlung kleiner Ortschaften wirtschaftlich realisiert werden kann, zeigen die folgenden Beispiele.
Reinigung ohne Fremdenergie
In Eveshausen (150 Einwohner) in der Verbandsgemeinde Kastellaun (Landkreis Simmern, Rheinland-Pfalz) wurde das Abwasser bis Mitte des Jahres 2000 rein mechanisch in einem Emscherbecken (Absetzbecken) geklärt. Der Überlauf gelangte unzureichend gereinigt in den naheliegenden Bachlauf. Eine biologische Nachreinigung war dringend erforderlich. Die topografischen Gegebenheiten gaben den Ansporn, die Kläranlage ohne Fremdenergie zu betreiben.
Die Abwasserwerke der Verwaltungsgemeinschaft entschieden sich zur Nachrüstung mit einer Pflanzenkläranlage. Dem Emscherbecken wurden zwei mit Schilf bepflanzte, vertikal vom Abwasser durchströmte Bodenfilter nachgeschaltet.
Aufgrund der örtlichen Hanglage reinigt die Pflanzenkläranlage das Abwasser aus Eveshausen ganz ohne elektrische Energie. Die Betriebs- und Wartungskosten sind daher sehr gering. Auch die Investitionskosten fielen niedrig aus, da der überwiegende Teil der Erdarbeiten durch den Bauhof der Gemeinde übernommen wurde.
Die Ablaufwerte der Pflanzenkläranlage liegen seit der Inbetriebnahme vor 18 Monaten weit unter den gesetzlich geforderten Grenzwerten.
Mischwasser naturnah behandeln
In der hessischen Marktgemeinde Haunetal, südlich von Bad Hersfeld gelegen, entsteht derzeit eine Pflanzenkläranlage zur Reinigung von häuslichem Abwasser, die mit Regenwasser vermischt ist. Die auf 320 Einwohnerwerte ausgelegte Anlage behandelt das Mischwasser aus den Ortsteilen Odensachsen und Meisenbach.
Aufgrund der Nähe zum Fluss Haune sowie der Nähe der beiden Ortsteile zueinander ergab ein abwassertechnischer Zusammenschluss wirtschaftliche Vorteile für die Gemeinde.
Neben der kompakten Struktur der Ortslagen gab der bauliche Zustand der vorhandenen Mischkanalisation den Ausschlag für die sonst eher untypische Mitbehandlung von Regenwasser in einer Kläranlage. Das gereinigte Mischwasser sollte der Haune zugeführt werden können.
Nach eingehender Prüfung mehrerer Alternativen zur technischen oder naturnahen Reinigung des Mischwassers entschied sich die Gemeinde Haunetal wegen der anzunehmend niedrigen laufenden Kosten für den Einsatz einer Pflanzenkläranlage.
Nach gründlicher mechanischer Vorreinigung durch Emscherbecken und Sie brechen gelangt das Mischwasser über eine Pumpstation in vier Bodenfilter. Da zu erwarten ist, dass die hydraulische Belastung der Pflanzenkläranlage starken Schwankungen unterliegt, werden die Beete nacheinander beschickt. So können die einzelnen Beetoberflächen versetzt abtrocknen, was ihre Reinigungsleistung verbessert.
Reinigung und Versickerung
Das der Bau einer Kläranlage die Dorfgemeinschaft festigt, zeigt ein Beispiel aus Mittelfranken. Die Bürger des Ortsteils Waizenfeld der Gemeinde Pommelsbrunn (Landkreis Nürnberger Land) entschieden sich für eine Reinigung ihrer Abwässer (110 Einwohnerwerte) vor Ort, obwohl es in angemessener Entfernung kein zur Aufnahme des gereinigten Abwassers geeignetes Fließgewässer gibt. Da das Flurstück zudem in klüftigem Karstgebiet liegt, besteht für die Anlage ein besonders hoher Anspruch an die Reinigungsleistung.
Nach fachlicher Information durch die Gemeindeverwaltung erhielt die Pflanzenkläranlage die Zustimmung der Bürger. Fortan übernimmt ein Emscherbecken die mechanische Vorreinigung. Das Herzstück der Anlage bildet ein durchströmter Bodenfilter mit nachfolgendem Horizontalfilter. Mit dieser Verfahrenskombination wird das Abwasser so effektiv gereinigt, dass es trotz karstigem Untergrund über eine belebte Bodenzone (Mulde) versickert werden kann. Der anfallende Klärschlamm verbleibt ebenfalls in Waizenfeld: In einem mit Schilf bepflanzten Vererdungsbeet wird er auf natürliche Weise getrocknet. Das so in mehreren Jahren Betriebszeit entstehende humose Substrat enthält nur noch einen Bruchteil des Ausgangsvolumens. Es kann im Landbau verwertet werden.
Nicht zuletzt aufgrund des hohen Engagements der Bürger (die freiwillig über 700 Arbeitsstunden leisteten) konnte diese anspruchsvolle Anlage kostengünstig erstellt werden. Ein niedriger Abwasserpreis ist somit garantiert.
Die Beispiele zeigen, dass es für die Abwasserreinigung im ländlichen Raum keine Schubladenlösungen gibt. So verschieden wie die lokalen Gegebenheiten - sei es in politischer, geologischer oder infrastruktureller Hinsicht - so verschieden sind auch die Aufgabenstellungen. Eine genaue Prüfung der Lösungsmöglichkeiten im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft ist deshalb unabdingbar. Pflanzenkläranlagen erweisen sich dabei stets als ein flexibles, zuverlässiges und zugleich kostengünstiges Reinigungssystem. Christian Schulz
Christian Schulz ist Mitinhaber des Ingenieurbüros Janisch & Schulz, Gambach.

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