Cellesche Zeitung 28.März 2001

Auf Severloh entsteht die größte private Pflanzenkläranlage

Klar und geruchsfrei in die Örtze:
Abwasser wird im Schilfbeet gereinigt
Von Mirja Pflug


SEVERLOH. Zu sehen ist bislang eine tiefe Grube. Als Teil einer Pflanzenkläranlage wird dieses 250 Quadratmeter große Schilfbeet dafür sorgen, dass das Abwasser auf dem Hof Severloh mit Badewasserqualität in die Örtze fließt. Hofbesitzer Hans-Heinrich Brammer baut die der- zeit größte private Kläranlage im Landkreis.

Bis zum Ende des Jahres sollen insgesamt drei Anlagen dieser Größe auf dem Hof entstehen. Rund 150 000 Mark investiert Hans-Heinrich Brammer in die dezentrale Abwasserentsorgung auf dem eigenen Grund und Boden. So können dann täglich mechanisch und biologisch über 7,7 Kubikmeter Schmutzwasser pro Anlage gereinigt werden. Klar und geruchsfrei, so Brammer, fließt das Wasser in die Örtze.




Unter Anleitung von Diplom-Ingenieur Christian Schulz bauen Hofbesitzer Marco und Hans-Heinrich Brammer aus Severloh die derzeit größte private Pflanzenkläranlage im Kreis Celle.
Foto: Pflug





Der Hof Severloh liegt mitten im Naturpark Südheide. Er ist umgeben von Wäldern, Teichen und Heideflächen und ist nur über eine unbefestigte Zufahrt zu erreichen. Hof Severloh ist ein Reiter- und Freizeithof mit rund 20 Ferienhäusern und in der Spitzensaison bis zu 150 Gästen. Neue EU-Richtlinien mit überarbeiteten Anforderungen an die Technik bei dezentral betriebenen Kleinkläranlagen im ländlichen Raum bedeuteten für die Familie Brammer Handlungszwang. Die zentrale Lösung war schlichtweg zu teuer, so Brammer. 4700 Meter hätte ein neu zu bauender Kanal überbrücken müssen. Allein die Anschlusskosten an das Kanalnetz der Gemeinde Hermannsburg wurden laut Brammer auf mehr als 900000 Mark geschätzt. Hinzu wären außerdem die Abwassergebühren gekommen. Dem gegenüber stehen die einmaligen Baukosten und jährliche Wartungskosten in Höhe von rund 300 Mark bei der dezentralen Entsorgung.

"Die Reinigungsleistung ist im Sommer sowie im Winter sehr stabil" wischt Diplom-Ingenieur Christian Schulz Bedenken wegen der Leistungsfähigkeit einer naturnahen dezentralen Anlage vom Tisch. Er arbeitet für die Ingenieurgesellschaft Janisch & Schulz, die den Bau in Severloh betreut.

Saubere Sache

Bei einer Pflanzenkläranlage wird das Abwasser in einer Absetzgrube mechanisch vorgereinigt. Je nach Bauweise durchströmt das schwebstoffarme Abwasser daraufhin den Bodenkörper horizontal oder vertikal. Die Oberfläche des Bodens dient den durch das Abwasser eingetragenen Mikroorganismen als Siedlungsfläche. Im weiteren Betrieb ernähren sich die in der Anlage seßhaft gewordenen Kleinstlebewesen von den einlaufenden Schmutzstoffen Die Pflanzen verhindern durch ihr Wurzel- und Rhizomsystem eine Verstopfung des Bodens. Zudem unterstützen sie die Sauerstoffversorgung des Wurzelraumes. Das gereinigte Abwasser kann problemlos in den nächsten Bach einlaufen.



www.pflanzenklaeranlagen.de