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Frankenberger Zeitung 20.Sept. 2000
NATURNAHE ABWASSERREINIGUNG
"Das Wasser ist glasklar"
Seit knapp sechs Monaten ist auf dem Hof Hiepe bei Römershausen eine neue Pflanzenkläranlage in Betrieb. Durch die dezentrale Abwasserreinigung mit Schilf auf dem eigenen Land sprudelt das Wasser jetzt glasklar" auf dem Grundstück.
RÖMERSHAUSEN Die Eheleute Harald und Ursula Hiepe betreiben unmittelbar am Ortsrand von Römershäusen Ackerbau und bewirtschaften Grünland. Der insgesamt 20 Hektar große Hof liegt rund 100 Meter von der Landesstraße entfernt, die auf der einen Seite an Römershausen, auf der anderen Seite am landwirtschaftlichen Anwesen der Hiepes vorbeiführt. Bis vor wenigen Wochen hatten die Hiepes auch noch eine Klärgrube vor der Haustür. Diese Klärgrube hat jetzt ausgedient. In Zusammenarbeit mit dem Kreisbauernverband und einem Ingenieurbüro für Wasser und Umwelt in Gambach bei Gießen bauten die Hiepes auf ihrem Land eine eigene Pflanzenkläranlage - eine dezentrale Abwasserreinigung mit Schilf auf dem eigenen Grundstück.
Landwirt Harald Hiepe bringt die Zahlen auf einen Nenner: "Wir sparen pro Jahr mindestens 10000 Mark an Abwassergebühren für die Gemeinde." Hiepes Rechnung: Ein notwendiger Anschluss des Hofes an das Abwassersystem der Gemeinde hätte alleine rund 22000 Mark gekostet. Hinzu wären auch noch die Anschlussgebühren der Gemeinde gekommen. Demgegenüber kostete seine neue Anlage nur rund 13500 Mark. Allein diese Ersparnis: weit über 10000 Mark.
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Ortstermin am Rande des Schilfbeckens: Bürgermeister Rudolf Backhaus (links) ließ sich von den Ingenieuren Christian Schulz und Ralf Stützer (rechts) die neue Anlage erklären. In der Mitte die Eheleute Harald und Ursula Hiepe.


Die Probleme mit der Abwasserbeseitigung für den Hof Hiepe bei Römershausen haben jetzt ein Ende. (Fotos: zmj)
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Noch ein Weiterer Aspekt im Zahlenwerk des Landwirtes: Im Gegensatz zu früheren Zeiten muss er keine Abwassergebühren mehr an die Gemeinde zahlen. Die liegen in Haina momentan immerhin bei 4,90 Mark pro Kubikmeter. Hiepe: "Schon nach zwei Jahren Betriebsdauer hat sich die neue Pflanzenkläranlage bezahlt gemacht."
"Vor Ort" informierte sich gestern auch Hainas Bürgermeister Rudolf Backhaus über die Anlage, die inzwischen bereits seit knapp sechs Monaten in Betrieb ist. Backhaus: "Das ist die erste Anlage dieser Art in der Gemeinde Haina. Bisher wusste ich auch noch nicht allzuviel darüber." Aber der Verwaltungschef zeigte sich von dem Projekt beeindruckt: "Man kann es kaum glauben, das Wasser ist nach der Reinigung glasklar."
Und noch beim Ortstermin denkt Backhaus gleich einen Schritt weiter: "Eine Pflanzenkläranläge ist genau das Pro- jekt;.womit wir auch unsere fünf kleinen Ortsteile Altenhaina, Kirschgarten, Oberholzhausen, Haddenberg und Hüttenrode anschließen können. Eine finanziell günstigere Möglichkeit gibt es überhaupt nicht."
Dieser Meinung schließt sich ohne Einschränkungen auch Diplom-Ingenieur Christian Schulz vom zuständigen Planungsbüro an. Die Betriebskosten seien nur sehr gering, die Folgearbeiten nahezu Null. Schulz: "Solche Anlagen sind eine absolute Top-Sache." In diesem . Zusammenhang erläutert der Ingenieur das Nord-Süd- Gefälle: "lm Norden der Republik sind diese Anlagen überall zu finden, aber auch im Süden werden es immer mehr." Im gesamten Bundesgebiet seien bereits mehrere Tausend Pflanzenkläranlagen zu finden.
Der Experte nennt auch die Vorteile der dezentralen Abwasserreinigung: niedrige Investitionskosten durch kurze Kanalwege, geringe Energie- und Wartungskosten, keine Anschluss- und, Abwasserkosten für die Bürger, Rückführung: des Wassers in den lokalen Wasserhaushalt, Bau als Einzel- oder Gruppenanlage. Auch sei durch einen geringen Planungsaufwand eine schnelle bauliche Umsetzung möglich, zudem könnten Eigenleistungen eingebracht werden.
Landwirt Harald Hiepe: "Die Bauzeit betrug nur drei Tage, alle Erdarbeiten wurden in Eigenleistung erbracht.". Dabei wies er auch auf die Reinigungsleistung zwischen früher und heute hin: "Früher lag die Reinigungsleistung bei 25 Prozent, durch den Einsatz der biologischen Nachreinigungsanlage heute bei 90 Prozent."
Außer dem unmittelbaren Nutzen und der damit verbundenen Kostenersparung hat der Landwirt auf seinem Land auch gleichzeitig etwas für das Auge geschaffen: einen mit Schilf bepflanzten 60 Quadratmeter großen Filter mit Mikroorganismen im Boden, der eher einem kleinen idyllischen Wasserbiotop ähnelt. Die Lebensdauer der Anlage: 30 bis 40 Jahre. "Das Schilf hat die Aufgabe, den Boden durch das Wurzelwerk offen zu halten und Sauerstoff über die Blattmasse einzubringen", erklärt Ingenieur Schulz. "Das ist ein sich immer wieder regenerierendes System."
Haina Bürgermeister Rudolf Bachhaus zeigte sich überzeugt davon, dass das Beispiel Hiepe auch innerhalb seiner Gemeinde Schule machen werde. Demnächst will er die Anlage mit dem gesamten Gemeindevorstand besichtigen. (zmj)

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